Sprachpolitik: Esperanto weiterhin vom Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen

Esperanto weiterhin vom Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen, via Esperanto-Nachrichten – EsperantoLand:

Auch für den Wettbewerb 2011/12 ist Esperanto – wie schon seit 30 Jahren – vom  Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen: “Nicht erlaubt sind Kunst- oder Plansprachen.” Warum Plansprachen und damit insbesondere Esperanto ausgeschlossen werden, darauf bleibt Bernhard Sicking, Geschäftsführer des Wettbewerbs, bei Facebook bisher die Antwort schuldig.

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Diskriminierung von Esperanto-Sprechern?

Mit dem Ausschluss von Esperanto als Wettbewerbssprache werden Esperanto-Sprecher gegenüber Sprechern anderer Sprachen diskriminiert. Im Fall von Esperanto-Muttersprachlern – davon gibt es weltweit mehrere Tausend und auch in Deutschland einige im schulpflichtigen Alter – bedeutet dies wohl einen Bruch von Artikel 3 des Grundgesetzes. Danach darf niemand wegen seiner Sprache benachteiligt oder bevorzugt werden. Wenn nun jemand Esperanto als Muttersprache hat und am Wettbewerb mit z.B. Französisch und Esperanto teilnehmen will, so ist dies nicht erlaubt. Hingegen wird ein Italienisch-Muttersprachler mit Französisch und Italienisch zugelassen.

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Dieses wäre ein exzellentes Thema für die Piratenpartei. Neben der offensichtlichen Diskrimierung von Esperantosprechern und der Verletzung von Grundrechten wäre die Sprache an sich wert genug, sich damit eingehend zu beschäftigen.

Eine der größten Gefahren für den weltweiten Frieden, die internationale Kommunikation und Zusammenarbeit, sowie die freie Verbreitung von Wissen ist die Tatsache, dass sich die meisten Menschen nicht direkt miteinander verständigen können.

Viele werden jetzt einwenden, dass sich in den letzten Jahrzehnten Englisch zu einer Lingua Franka entwickelt hat. Dies ist richtig. Und durch Unterdrückung von Esperanto und der Verfolgung deren Sprecher wurde sichergestellt, dass die jeweiligen Nationalsprachen alternativlos blieben.

Wer Englisch und Esperanto einmal selbst miteinander vergleicht, wird schnell feststellen, dass Englisch in seinen Möglichkeiten sich präzise und dennoch kompakt auszudrücken Esperanto deutlich unterlegen ist. Dies gilt auch für alle anderen natürlichen und gewachsenen Sprachen – allgegenwärtige Ausnahmen und Unregelmässigkeiten erschweren es erheblich, diese Nationalsprachen zu erlernen.

Letzeres ist von konservativ-reaktionären herrschenden Kreisen für das Wahlvieh durchaus erwünscht – Teile und Herrsche! Menschen, die nicht miteinander kommunizieren können (oder auch wollen), sind leichter zu beherrschen. Mit nationalem Sprachpathos kann man das Wahlvieh leicht gegen Wahlvieh mit anderer Sprache aufhetzen. Wohin dies in Europa führte, wurde uns vor 70 Jahren verdeutlicht.

Der verlinkte Artikel beschreibt noch andere mögliche Gründe um Esperanto zu verteufeln, welche wieder einmal nur mit der Sicherung bestehender Besitztümer und Pfründe zu tun haben. Wo kämen wir den hin, wenn Menschen weltweit direkt miteinander reden könnten? Wie sollte man deren Kommunikation dann zensieren und manipulieren können?

Leider ist man aber bei der Piratenpartei zur Zeit eher damit beschäftigt die noch nicht erlegten Hasen zu verteilen anstatt uralte Kernprobleme anzugehen und sich für Ziele einzusetzen, welche die Kommunikation und die Verbreitung von Wissen langfristig fördern.

Denn in letzter Konsequenz benötigt die angestrebte Basisdemokratie gebildete, mündige und weltoffene Bürger statt merk- und lernbefreite Sprachnationalisten und Untertanen.

Die Forderung nach einer nicht-nationalen und neutralen, aber denoch leicht erlernbaren und freien Sprache wie Esperanto im Bildungsangebot der Schulen wäre ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

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