Die schwarze Substanz in Fukushima

Auf Fukushima-Diary  (1, 2, 3)  bzw. enenews wird seit geraumer Zeit von einer schwarzen Substanz berichtet, welche zuerst in Minamisoma beobachtet wurde und sich von selbst vermehrt. Diese Substanz zeichnet sich durch eine hohe Radioaktivität und Akkumulation von Radioisotopen aus. Mittlerweile wird sie auch in weiter von Fukushima entfernten Orten wie Tokyo beobachtet.

Angeblich soll es sich dabei um Cyanobakterien (früher Blaualgen genannt) handeln. Die Bakterien besitzen die Fähigkeit zur Photosynthese und gelten als eine der ältesten Lebensformen auf diesem Planeten, welche bereits seit 3.5 Milliarden existieren. Nach der Endosymbioten Theorie sind die Chloroplasten, die photosynthetischen Zellorganellen  der heutigen eukaryontischen Pflanzen, aus inkorporierten Cyanobakterien entstanden.

Nach vor gut 1,5 bis 2 Milliarden war der natürliche Gehalt an spaltbarem Uran-235 in der Erdkruste ausreichend hoch, dass sich natürliche Atomreaktoren bilden konnten. Der Naturreaktor Oklo ist hierfür das bekannteste Beispiel.

Die Cyanobakterien hatten also bereits 1.5 bis 2 Milliarden Jahre lang zuvor in einer Umwelt exitiert, welche durch die freigesetzen Spaltprodukte dieser Reaktoren eine erhöhte Radioaktivität sowie der primordialen Radioaktivität aus der Entstehungszeit des Sonnensystems aufgewiesen haben muss.

Die höheren Lebewesen auf Basis der eukaryontischen Zellarchitektur, also alle Pflanzen und Tiere wie wir sie heute kennen, haben sich erst nach Beendigung dieser natürlichen Kernspaltungen entwickelt. Oder man mag mutmassen – entwickeln können. Denn nur in einer weniger radioaktiven Umwelt ist die Entwicklung und fehlerfreie Weitergabe eines hochkomplexen und umfangreichen Erbguts möglich.

Damit wirft die explosionsartige Vermehrung von Cyanobakterien einige interessante Fragen auf. Durch die Kontamination grosser Bereiche Japans durch die Reaktorkatastrophen von Fukushima wurde eine Umwelt geschaffen, wie sie zuletzt vor sehr sehr langer Zeit auf diesem Planeten existiert hat.

Die Cyanobakterien scheinen sich in dieser künstlich erschaffenen archaischen Umwelt sehr wohl zu fühlen und prächtig zu gedeihen. Auch wenn es schwer zu glauben ist, mag das Erbgut der Cyanobakterien noch Informationen aus dieser frühen Zeit enthalten, welche nun einen evolutionären Vorteil bedeuten.

Die interessanteste Frage für mich ist nun, ob auch die eukaryontischen Lebewesen mit dieser Umwelt zurechtkommen. Denn es gab seit ihrer Entstehung keine ähnlich stark radioaktive Umwelt und damit auch keine evolutionäre Notwendigkeit entsprechende resistente Gene und daraus synthetisierte Proteine zu entwickeln.

Wenn nicht, dann könnte es darauf hinauslaufen, dass die Eukaryonten von den älteren Cynobakterien und ähnlich urzeitlichen Erdbewohnern langfristig verdrängt werden.

Mit anderen Worten: Werden die Eukaryonten – also Pflanzen, Tiere und auch der Mensch – in den nächsten Jahrhunderten in den vom radioaktiven Fallout betroffenen Regionen größtenteils aussterben?

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